April 2019

Die 10 wichtigsten Kriterien beim Kauf eines Stromspeichers

Sonne und Wind sind unendlich verfügbar – nur leider nicht immer dann, wenn wir sie brauchen. So kann es passieren, dass an sonnenreichen Tagen Unmengen an Solarstrom in die Netze drücken, während nachts bei Windflaute eine kritische Unterdeckung herrscht.
Stromspeicher sind deshalb ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der Energiewende: Sie ermöglichen uns, den erzeugten Solarstrom selbst zu nutzen und so die Stromnetze zu entlasten, wodurch ein höherer PV-Ausbau realisiert werden kann. So kann jeder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und sich nebenbei noch gegen steigende Strompreise absichern.
Worauf aber sollte man beim Kauf eines Stromspeichers unbedingt achten? Wir geben wertvolle Tipps zu den relevanten Leistungsmerkmalen und Kaufüberlegungen.

1. Platzbedarf

Jeder Stromspeicher auf dem Markt hat unterschiedliche Abmessungen – manche sind breit und flach, andere schmal und tief. Wieder andere sehr sind kompakt oder raumeinnehmend. Prüfen Sie deshalb den verfügbaren Platz in Ihrem Haus. So eignen sich flache Speicher zum Anbringen in schmalen Gängen oder hinter Türen, schmale Speicher wiederum in engen Technikräumen. Beachten Sie auch die Sicherheitsabstände der Lüftungen.  

2. Modularität

Modulare Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine unterschiedliche Anzahl an Batteriemodulen aufnehmen können. Das ermöglicht Ihnen, die für Ihren Verbrauch passende Speichergröße auszuwählen. Insbesondere ist es wichtig, dass Sie später weitere Batterien nachrüsten können, falls Sie sich beispielsweise ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe anschaffen möchten.

3. Kapazitätsangaben

Einige Hersteller geben als Kapazität ihrer Batterien den Bruttowert an, um diese größer erscheinen zu lassen. Jede Batterie hat aber nur eine begrenzte Ladetiefe. Prüfen Sie daher die Angaben ganz genau und vergleichen Sie die Nettokapazität der Systeme.

4. AC- vs. DC-gekoppeltes System

Die PV-Module auf dem Dach erzeugen Gleichstrom (DC), während unsere Hausnetze mit Wechselstrom (AC) funktionieren. Deshalb wird der erzeugte Gleichstrom immer über einen PV-Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt. Stromspeicher können dann entweder direkt auf der Gleichstromseite zwischen PV-Anlage und Wechselrichter eingebaut (DC-Kopplung) oder aber flexibel ins Wechselstromnetz eingehängt (AC-Kopplung) werden.  
Welches System hier bevorzugt wird ist eher eine Philosophiefrage. So sparen Sie sich bei DC-Systemen einen Wechselrichter, weil der Wechselstrom nicht wieder für die Batterien in Gleichstrom umgewandelt werden muss. Allerdings wird die Kostenersparnis von den meisten Herstellern dann im Speicher wieder eingepreist und auch die vermiedenen Wirkungsgradverluste sind mittlerweile vernachlässigbar gering. Auch müssen DC-Speicher genau auf die PV-Anlage dimensioniert werden und bei hohen Verbräuchen können Sie Ihren Strom nicht gleichzeitig aus PV-Anlage und Speicher beziehen, sondern müssen Strom aus dem Netz hinzukaufen. Mit AC-Systemen sind Sie bei der Kapazität hingegen völlig flexibel und können sowohl mehrere Erzeuger anschließen als auch Strom aus dem Netz aufnehmen – das lohnt sich insbesondere, wenn Sie in der Zukunft Tag- / Nachttarife nutzen oder Ihre Energie am Strommarkt handeln möchten. 

5. Integriertes System vs. „Bastellösung“

Integrierte Systeme stammen von einem einzigen Hersteller und beinhalten bereits alle wichtigen Komponenten: Batterien, Wechselrichter als auch die Steuerungsintelligenz. Die Komponenten sind dabei alle optimal aufeinander abgestimmt und der Hersteller gibt eine entsprechende Systemgarantie.  

In der Regel arbeiten solche Premium-Anbieter allerdings nur mit ausgewählten Partnern und exklusiven Vertriebsrechten. Gerade viele kleine Elektrobetriebe müssen sich daher mit Einzelkomponenten unterschiedlicher Hersteller aus dem Großhandel begnügen und diese aufwändig miteinander verdrahten. Treten dann Probleme auf, kann jeder Komponenten-Hersteller den Fehler beim jeweils anderen verorten, ohne eine Lösung herbeiführen zu müssen. Sollte in der Zwischenzeit auch noch Ihr Installateur insolvent oder in Rente gegangen sein stehen Sie gänzlich ohne Ansprechpartner da. Es ist daher immer zu empfehlen, ein Gesamtsystem zu kaufen. Hier haben Sie immer eine Kundenhotline und bei Bedarf auch einen Service-Techniker zur Hand. 

6. Eigenverbrauchsoptimierung vs. Notstrom

Stromspeicher können mit unterschiedlicher Absicht gekauft werden. Die meisten Menschen haben die Eigenverbrauchsoptimierung im Sinn – sie wollen sich von konventionellen Energieträgern unabhängig machen, einen Beitrag zur Energiewende leisten und dabei Geld sparen. Es gibt aber auch solche, die Angst vor Blackouts haben und deshalb auf eine Notstromfunktion Wert liegen. Richtig gemacht kann so bei einem Stromausfall das Hausnetz weiter betrieben werden, während die Nachbarn im Dunklen sitzen. 2016 betrug die durchschnittliche Stromausfallzeit pro Person in Deutschland allerdings gerade mal 11,9 Minuten im Jahr und ist damit statistisch, also rational betrachtet, völlig irrelevant – ähnlich wie ein Flugzeugabsturz.  
Wie auch immer Sie sich entscheiden – wichtig ist: Beides zusammen geht nicht. Notstromsysteme haben nicht nur selbst einen höheren Verbrauch, sondern müssen immer Batteriekapazitäten blockieren, die dann nicht zur Eigenverbrauchsoptimierung bereitstehen. Damit sind sie deutlich ineffizienter als andere Systeme.

7. Herkömmliche vs. Prognosebasierte Ladestrategien

PV-Anlagen die eine Förderung nach EEG oder KfW-Richtlinien erhalten, sind verpflichtet, ihre Einspeisewirkleistung auf 70% (EEG) bzw. 50% (KfW) der PV-Nennleistung zu begrenzen. Wird der überschüssige Strom dann nicht direkt verbraucht entstehen sogenannte Abregelungsverluste – trotz Sonnenschein wird also kein Strom mehr produziert.  
Stromspeicher können diese Verluste reduzieren – aber nur wenn sie über ein intelligentes Energiemanagement mit prognosebasierter Ladestrategie verfügen. Denn während herkömmliche Batterien Produktionsüberschüsse einfach sofort einspeichern und dann zur Mittagszeit trotzdem abgeregelt werden muss, weil sie bereits voll sind, können prognosebasierte Systeme vorausschauend das Laden auf spätere Stunden verschieben und Abregelungsverluste vermeiden. So hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw) Berlin in einer groß angelegten Speicherstudie festgestellt, dass bei herkömmlichen Speichern ein Ertragsverlust von ca. 8%, bei prognosebasierten Systemen aber von weniger als 2% anfällt. Intelligente Systeme sparen also bares Geld und leisten einen wichtigen Beitrag zur Netzentlastung

8. Indoor- vs. Outdoor-System

Einige Hersteller bieten Outdoor-Systeme an, die beispielsweise in der Garage oder außen an der Hauswand angebracht werden können. Dies macht insbesondere für den amerikanischen oder australischen Markt Sinn, da Häuser dort häufig nicht über einen Keller verfügen. Im Gegenzug sind solche Systeme häufig ineffizienter, denn sie verfügen sowohl über eine Wasserpumpe zur Kühlung als auch über eine Heizung, die einen kontinuierlichen Eigenverbrauch aufweisen. Auch sind solche Systeme häufig geschlossen – die Kapazitäten können also später nicht bedarfsgerecht erweitert werden. Und sollte die Pumpe nach ein paar Jahren ausfallen, muss das komplette System getauscht werden. Wer also nicht zwingend nach draußen gehen muss sollte sich eine solche Anschaffung gut überlegen.

9. Smart-Home-Ready

Wenn Sie Ihren Eigenverbrauch auch in Zukunft weiter optimieren möchten, dann benötigen Sie ein intelligentes Energiemanagement, welches sämtliche Verbrauchsgeräte in einem Haushalt miteinander vernetzt und so steuert, dass der Stromverbrauch minimiert und die Deckung mit eigenem Solarstrom maximiert wird. Insbesondere die intelligente Anbindung von Wärmepumpe, Heizstab und eAuto-Wallbox an den Speicher sollte deshalb gegeben sein.

10. Garantiebedingungen

Zahlreiche Hersteller werben mit einer hohen Zahl an Garantiejahren, um für Kunden attraktiv zu erscheinen. Der Teufel steckt hier allerdings im Detail: So werden häufig versteckte Kosten für Anfahrt, Reparatur oder Ersatzteile auch im Garantiefall auf den Kunden abgewälzt. Gerade hat die Verbraucherzentrale NRW deshalb mehrere Hersteller von Stromspeichersystemen abgemahnt. Unser Tipp: Bevor Sie einen Stromspeicher kaufen – lesen Sie sich ganz genau die Garantiebedingungen durch.
veröffentlicht vonMarlon Hassel

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